Bereits vor Beginn des Gottesdienstes brachten einige Kinder musikalische Beiträge dar und übernahmen vielfältige Aufgaben in der Vorbereitung des Gottesdienstes. Gemeinsam mit den Geistlichen trafen sie sich in der Sakristei, wo ihnen der dienende Priester unter anderem die Entstehungsgeschichte des Adventskranzes näherbrachte: Der erste Adventskranz wurde 1839 von Johann Hinrich Wichern in Hamburg aus einem Wagenrad gefertigt und mit Kerzen für jeden Tag bis Weihnachten bestückt – 20 kleine rote und vier große weiße Kerzen für die Adventssonntage.
In der Predigt wurde die Bedeutung der Aufforderung „Mache dich auf“ erläutert: Sie bedeutet im ursprünglichen Sinn «Steht auf» und steht für Aufbruch und Bewegung. Nach dem Ende der babylonischen Gefangenschaft waren alle Israeliten frei und gleichzeitig aufgerufen, in ihre Heimat zurückzukehren. Doch nur eine kleine Schar folgte diesem Ruf – viele blieben in Babylon, wo sie sich mittlerweile eingerichtet hatten.
Der Prophet Jesaja richtete sich mit seinem eindringlichen Aufruf an die Zurückgekehrten in Jerusalem, die mit dem Wiederaufbau des Tempels begonnen hatten. Doch der Bau war ins Stocken geraten – wirtschaftliche Not und persönliche Sorgen hatten die Menschen entmutigt. In dieser Situation erinnerte Jesaja sie an Gottes Verheißung und rief sie auf: „Mache dich auf, werde licht!“ – ein Appell zum mutigen Glaubensschritt und zur Erneuerung im Vertrauen auf Gott. Die Herrlichkeit des Herrn wird über denen aufgehen, die bereit sind, sich in Bewegung setzen zu lassen. Damals wie heute ist dieser Ruf ein Bild für alle, die sich vom Licht Gottes führen lassen und nicht im Alten verharren, sondern mutig am Tempel Gottes bauen.
Ein besonderer Moment des Gottesdienstes war die Erzählung „Der Sternenbaum“ von Gisela Cölle (in gekürzter Form), die von den Kindern stimmungsvoll vorgetragen wurde. Die Geschichte handelt von einem alten Mann, der sich inmitten der lauten, hell erleuchteten Stadt nach dem echten Licht des Christkindes sehnt. In stiller Nacht macht er sich auf den Weg hinaus aufs Feld, wo er goldene Sterne in einen Baum hängt – als Zeichen der Hoffnung. Als ein Sturm die künstlichen Lichter der Stadt auslöscht, entdecken die Menschen im Dunkel dieses eine, leuchtende Zeichen. Sie folgen ihm und finden Licht und Gemeinschaft. Anschliessend überreichten die Kinder jedem Gottesdienstbesucher und jeder Gottesdienstbesucherin einen kleinen Leuchtstern – ein sichtbares Zeichen dafür, dass auch wir Lichtbringer für andere sein können.
Zum Abschluss des Gottesdienstes lud der Priester dazu ein, über den doppelten Sinn des Wortes Advent nachzudenken. Im Englischen klingt darin das Wort Adventure – Abenteuer – mit. Und tatsächlich: Mit Gott unterwegs zu sein, ist das größte Abenteuer unseres Lebens! In der Offenbarung wird uns verheißen, dass es im neuen Jerusalem weder Sonne noch Mond braucht, denn die Herrlichkeit Gottes selbst wird alles erleuchten (vgl. Offb 21,23). Dies ist das Ziel unseres Glaubens – ein göttliches Abenteuer, das mit dem großen Advent seinen Höhepunkt und seine Erfüllung findet.