Kaum angekommen suche ich schnurstracks den Schalter auf, um möglichst noch an diesem Mittwochabend nach Wien zu gelangen und den Anschlussflug nach Jerevan (armenisch Երևան), der Hauptstadt Armeniens, am späten Abend noch zu erreichen.
Wie anders ist es in unserem Glauben: Nie wird uns eine solche Mitteilung erreichen und es heissen: Die Reise ans Glaubensziel ist annulliert. Im Gegensatz zum menschlichen Unvermögen ist auf Gott in jedem Fall Verlass. Sein Plan wird so vollendet, wie er es sich vorgenommen hat. Er führt alle Menschen zu sich, die sich nach Gemeinschaft mit ihm sehnen.
Ich betrachte es als göttliche Lenkung, dass ich es mit grossem Einsatz einer Angestellten am Schalter und entsprechenden Umständen – d.h. Verspätung einer Maschine einer anderen Fluggesellschaft – rechtzeitig nach Wien schaffte.
Der Weiterflug dauerte, bedingt durch starke Gewitter auf der Flugroute, eine gute Stunde länger, so dass die Maschine um fünf Uhr früh Ortszeit (Zeitverschiebung +2 Stunden) aufsetzte. Das Warten mehrerer hundert Menschen vor den Zollschaltern wurde zu einer echten Geduldsprobe für die müden Flugpassagiere.
Nun konnte also das gemeinsame Erleben zusammen mit dem Stammapostel, Bezirksapostel Pöschel, den Aposteln Cone und Follmann beginnen.
Ausgangspunkt für die weitere Reise war das auf 1'000 Meter Höhe im kleinen Kaukasus liegende Jerewan, gelegen zwischen Europa und Asien, mit seiner 3'000-jährigen Kulturgeschichte. Von hier hat man einen Blick auf den über 5'000 Meter hohen Berg Ararat, wo nach biblischer Überlieferung die Arche Noah gestrandet sein soll. Ein Besuch im Genozid Museum Zizernakaberd, zum Gedenken an die Opfer des Völkermords an den Armeniern 1915, berührte uns stark. Danach waren wir in Gedanken versunken und durch viele Emotionen bewegt.
Die zweistündige Reise mit dem Kleinbus führte uns durch eine wunderschöne Hochgebirgslandschaft nach der Stadt Wanadsor. Dort hatten sich unsere Glaubensgeschwister aus ganz Armenien eingefunden, um gemeinsam den Gottesdienst mit dem Stammapostel in einem extra hergerichteten Saal zu erleben. Sein letzter Besuch liegt neun Jahre zurück. So wurde dieser Freitagnachmittag zu einem Festtag. Das Heilige Abendmahl für die Entschlafenen war angesichts der geschichtlichen Dimension der ganzen Region ein sehr bewegender Moment.
Lange verweilen konnten wir nicht, wollten wir doch gleichentags noch die georgische Hauptstadt Tbilisi («Ort der warmen Quellen», თბილისი; Deutsch Tiflis) erreichen. Für den Grenzübertritt war eine Stunde veranschlagt. Zum Glück ging es etwas rascher, bis wir alle unsere Stempel in den Pässen hatten. Trotzdem dauerte die Reise etwas über vier Stunden.
In unserer frisch renovierten Kirche in Tbilisi hatten sich die Geschwister von Georgien und Aserbeidschan nach zum Teil bis achtstündiger Reise eingefunden. Der Gottesdienst wurde auch per Internet übertragen, weil längst nicht alle herreisen konnten. Hier durften wir die Musikvorträge des Chors und ein Gesangsduo erleben. Der Blick in die glücklichen Augen im Gottesdienst und bei der Verabschiedung sind ein bleibender Schatz.
So wie die Reise begonnen hat, endete sie auch wieder. Mit knapp zwei Stunden Verspätung hob das Flugzeug nach Düsseldorf ab. Damit war der Anschlussflug nicht mehr zu erreichen. Letztlich spielte das keine Rolle mehr, wurde dieser doch zwischenzeitlich annulliert. So kam ich zu einer unfreiwilligen Übernachtung und einem weiteren frühen Aufstehen. Doch das ist nicht wichtig. Was zählt sind die Begegnungen, Gespräche und das gemeinsame Erleben.
Angefüllt mit einer Vielzahl von Eindrücken dieser intensiven Tage reise ich weiter.