Ökumenischer Austausch über Kirche als sicherer Ort

09.06.2024

Rund 25 junge Erwachsene aus 13 verschiedenen Ländern haben sich im Sommer 2024 für eine Woche getroffen, um sich über ein zentrales Thema auszutauschen – ihren christlichen Glauben.

Vom 3. bis 9. Juni 2024 fand die Veranstaltung „The shelter we seek – a critical reflection on church as safer space“ im ökumenischen Zentrum Los Rubios in Málaga, Spanien, statt. Die Teilnehmer:innen kamen unter anderem aus Deutschland, Österreich, Spanien, Serbien, Tschechien, Norwegen und Finnland und gehören verschiedenen Konfessionen an, darunter protestantische und orthodoxe Konfessionen, sowie ein Mitglied der tschechoslowakischen hussitischen Kirche als auch ich als neuapostolische Christin.

Zusammengekommen sind wir aus mehreren Gründen: Zum einen, um einen Blick über unseren Tellerrand hinauszuwagen und andere Konfessionen kennen und verstehen zu lernen. Zum anderen, um Kirche als „Safer Space“ zu reflektieren und existierende sowie potenzielle Faktoren für Diskriminierung und Machtmissbrauch (sowohl institutionell als auch individuell) zu erkennen und mögliche Gegenmaßnahmen zu finden und zu diskutieren.


Macht, Privileg, Diskriminierung – wo stehe ich?
Auf der Tagesordnung stand ein vielfältiges Programm. Angefangen haben wir mit einem gegenseitigen Kennenlernen und festlegen von Vereinbarungen, um die gemeinsame Zeit in einem geschützten, friedlichen und konstruktiven Miteinander verbringen können – so haben wir für uns selbst einen eigenen ersten sicheren Raum geschaffen. Anschließend ging es schon in die erste inhaltliche Runde: In einem Mix aus Einzel- und Gruppenarbeit haben wir den ersten Tag damit verbracht, unsere eigene Position in der Gesellschaft, aber auch in unseren Kirchen und
christlichen Organisationen anhand der Begriffe Macht, Privileg und Diskriminierung zu reflektieren.


„Faith Spaces must be Safe Spaces“
Qinton Ceasar, südafrikanischer Theologe, Aktivist und Pastor, war bei uns zu Gast und hat uns spannende Einblicke in seine theologische als auch aktivistische Arbeit gegeben. Wir diskutierten verschiedene Aspekte von Safe Spaces und stellten fest, dass es sich hierbei um Räume handelt, die stetiger Veränderung ausgesetzt sind. Safer Spaces sind Räume, die Sicherheit bieten und allen Beteiligten ermöglichen sollen, sich authentisch und ehrlich so zu zeigen, wie sie sind. Erkannt haben wir aber auch, dass die Gruppe immer heterogener wird, je mehr Mitglieder integriert werden – und entsprechend vielfältiger werden auch die Bedürfnisse – Konfliktpotenzial nimmt zu. Unser Fazit: Ein sicherer Raum kann nur dann entstehen, wenn die Beteiligten gewillt sind, sich und ihre Vorstellung der Anderen und des Raumes zu verändern und gemeinsam etwas Neues entstehen zu lassen. Das eigene Vermögen und der Wille zur Veränderung sind somit wesentlicher Grundbaustein eines Safer Space.

„Safer Spaces for me – Challenges of the past“
Zu Gast war außerdem Marco Vekovic, Associate Professor of Religion and Politics an der Universität Belgrad. Er zeigte eine politikwissenschaftliche Perspektive auf den Begriff Safer Spaces auf und stellte diese unter das Thema „Safer Spaces for me – Challenges of the past“. Anschließen haben wir das Zusammenspiel von Politik und Kirche am Beispiel der serbisch orthodoxen Kirche diskutiert, wobei der Aspekt „Safer Space" immer wieder im Fokus stand.

Safer Space in meiner Kirche
Nicht zuletzt haben wir einen intensiven Blick auf unsere jeweiligen persönlichen kirchlichen Kontexte geworfen und versucht, Safer Spaces und noch nicht ausgeschöpftes Potenzial für diese zu identifizieren. Im gemeinsamen Austausch wurde klar, dass jede Konfession und auch Kirchengemeinde ihre eigenen Baustellen hat, die Bedarf an der Gestaltung von sicheren Räumen haben. Deutlich wurde aber auch, dass diese eher kritischen Themen innerhalb der verschiedenen Konfessionen recht ähnlich sind. Der Austausch über Schwierigkeiten und Stolpersteine in der
eigenen Gemeinde half nicht nur Lösungen zu finden, die wir mit nach Hause und in unsere Gemeinden tragen können, sondern auch die Bereicherung zu erkennen, die ökumenische Arbeit für unsere Kirchen darstellt.

Ökumene – ein Safer Space
Nach einer Woche mit intensiven inhaltlichen Diskussionen und persönlicher Auseinandersetzung mit der eigenen Kirche haben wir etwas müde, aber mit vielen neuen und spannenden Gedanken und Ideen im Kopf den Heimweg angetreten. Doch nicht nur das – wir haben auch viele lustige, spaßige, theologisch geprägte und manchmal ernste Momente miteinander verbracht und rund 25 engagierte und offene Christeninnen und Christen kennen und schätzen gelernt, die gemeinsam einen Safer Space geschaffen haben. Auch wenn wir in vielen Aspekten verschieden sind und unterschiedlich denken: Gemeinsam setzen wir uns für Zusammenarbeit zwischen christlichen Konfessionen ein
und verfolgen dasselbe Ziel: Unsere Kirchen zu einem Ort zu machen, der allen Sicherheit und Zuflucht bietet.

Der Ecumenical Youth Council
Organisiert wurde das Event vom Ecumenical Youth Council in Europe (EYCE). EYCE ist ein Netzwerk junger Christ*innen aus ganz Europa, das sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt. Die Organisation arbeitet auf ökumenischer Basis und fördert die Zusammenarbeit zwischen Kirchen und christlichen Jugendbewegungen, um trotz unterschiedlicher Konfessionen gemeinsam gegen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, soziale Ausgrenzung und Proselytismus vorzugehen.

 

M. Günther | Fiotos EYCE