Die grösste Schweizer Stadt am Bodensee und zweitgrösste Stadt des Kantons Thurgau war Ziel meiner Reise an diesem Donnerstagabend. An prominenter Stelle, gut sichtbar, steht unsere Kirche in Kreuzlingen erhöht über einer Strassenkreuzung. In der Kirche erwartete mich eine Überraschung: Bezirksapostelhelfer Deubel war ausser Programm ebenfalls angereist. Was für eine Freude für mich und die Geschwister. Eingeladen zum Gottesdienst waren auch die umliegenden Gemeinden, so dass die Kirche voll war. Dieser Abend hielt noch weitere freudige Überraschungen bereit: Ein Erwachsener hatte den Wunsch, ein Gotteskind zu werden und die Gabe des Heiligen Geistes zu erhalten. Weiter konnte ich für die Gemeinde Kreuzlingen einen Priester ordinieren. Das Hauptlied des aus allen eingeladenen Gemeinden gebildeten Chores wurde damit wunderschön erfüllt:
«Herr segne uns.»
Am Samstag ging die Bahnreise ans westliche Ende der Schweiz, nach Genève an den Lac Léman. Der undurchdringliche Hochnebel begleitete uns durch die ganz Schweiz. Nur in der Ferne, gegen die Alpen zu, verriet ein schmaler Streifen Helligkeit, dass über dem Nebel die Sonne strahlen musste. So ist es auch im Leben: manchmal sind wir unter und dann wieder über dem Nebel. Das Unveränderliche ist, dass die Sonne immer scheint.
Die umliegenden Gemeinden hatten sich an diesem Sonntag zusammen mit der Stadtgemeinde in unserer Kirche Genève versammelt. Zusammen konnten wir das Wirken des Geistes Gottes im Gottesdienst erleben. So sehr ich in meiner Schulzeit mit der französischen Sprache auf Kriegsfuss stand, so sehr liebe ich sie heute. Trotzdem bleibt für mich das Dienen in Französisch eine Herausforderung. Neben den in der Kirche versammelten Geschwistern waren auch Brüder und Schwestern per Internet angeschlossen. Wunderschön ertönte zu Beginn das Chorlied: «Al nostro grande Maestro.» Ihr habt recht gelesen, das ist Italienisch und nicht Französisch. Mit diesem Lied sollte mir eine besondere Freude bereitet werden – das ist gelungen. Das galt auch für alle weiteren Lieder, die in Französisch erklangen, und einem Choral in vier Sprachen.
Zur Freude Aller durfte die kleine Abigail das Sakrament der Heiligen Versiegelung empfangen. Ich staune immer wieder neu, wie wundervoll die Altäre in den Gottesdiensten geschmückt sind. Das war auch an diesem Morgen der Fall. Dahinter liegt viel Hingabe der Schmückenden, die mit grossem Aufwand und künstlerischer Begabung ihre Kunstfertigkeit zur Verfügung stellen. Es ist eine von vielen Arbeiten, bei denen das Resultat sichtbar wird, die Arbeit selbst aber im Verborgenen getan wird. Danke an alle, die sich in irgendeiner Art einbringen und zur Ehre Gottes wirken.
In dieser Woche konnte ich etliche Krankenbesuche machen. Unsere Geschwister werden nicht vor Krankheiten und Schicksalsschlägen verschont. Aber sie fühlen sich getragen auf betenden Händen der Mitgeschwister und Amtsträger und erleben die Hilfe und Nähe Gottes.
Dankbar stelle ich fest, dass die Gebete nicht nur bisher gewirkt haben, sondern wahrnehmbar wirken. Die Sensibilität ist durch das Jahresmotto geschärft. So hat sich schon in den ersten Tagen des neuen Jahres eine positive, veränderte Wahrnehmung eingestellt.
La prière agit ! – Beten wirkt! In dieser Gewissheit bleiben wir dran, den ganzen Reichtum dieser uns von Gott gegebenen Möglichkeit zu ergründen und erlebbar zu machen.